Motorrad fahren wurde schon immer mit der ultimativen Freiheit bei der Fortbewegung in Verbindung gebracht, ähnlich wie bei der Benutzung des Handy. Ein Dahingleiten, sich die kurvigen Straßen entlang schlängeln oder den Verkehrsstau einfach vergessen und durch die Gasse fahren, sind die Assoziationen, die sich bei den meisten beim Gedanken an das Motorrad fahren in der Freizeit einstellen.
Nur braucht man dann auch einen passenden Untersatz für dieses Vergnügen. Das Motorrad hat sich in den Anfängen des Autos mit der Entstehung von Verbrennungskraftmaschinen parallel entwickelt. So sind auch meist die Entwicklungsstufen der Motorrad Begeisterten über das Mofa (Fahrrad mit Hilfsmotor) Kleinkraftrad und dann Motorrad. Das bei über 50 ccm Hubraum anfing.
Das Motorrad hat aufgrund seiner Baustruktur zwei Räder keine stabile Ruheposition. Die Stabilität gewinnt das Fahrzeug durch die Rotationskräfte der Räder die eine Stabilisierung in Fahrtrichtung erzeugen durch das in der Drehbewegung liegende Drehmoment und die damit verbundenen Kreiselkräfte. Durch die Fliehkräfte sind auch starke Schräglagen in Kurven möglich, ohne daß es zu einem Umkippen kommt. Wahrscheinlich würde eine solches Gefährt, würde es heute erst erfunden, nicht einmal die Segnungen der öffentlichen Straßenzulassung bekommen. So kann man den Großvätern nur dankbar sein für die Experimentierfreude und das Schaffen der Tatsachen, daß ein Motorrad ein für den Straßenverkehr zugelassenes Fahrzeug ist. Wie in vielen Bereichen der Technik hat auch hier der Krieg die Entwicklung stark vorangetrieben. So wurden durch die Vorteile des Motorrads der Beweglichkeit und guten Geländegängigkeit erstmals großvolumige Motoren von bis zu 500ccm bei BMW eingebaut. Der klassische Boxer-Motor. Das Hauptproblem der Konstrukteure ist die Entscheidung der Einbaurichtung der Kurbelwelle. Wird sie quer zur Fahrtrichtung wie beim Reihen-Motor üblich oder längs zur Fahrtrichtung wie beim Boxer- Motor üblich, eingebaut. Die längs eingebauten Motoren haben eine große Laufruhe und den Nachteil, daß es dann meist ein Kettenantrieb wird oder es zu Reibungsverlusten bei der Umlenkung kommt. Nur BMW hat mit dem K-Modell eine Synthese zwischen der Laufruhe und den Annehmlichkeiten des Kardanantriebs erreicht, allerdings mit aufwendiger Motortechnik, die auch nicht unproblematisch bei Kühlung und Schmierung ist.
Ein Kompromiss-Versuch in diese Richtung ist auch die Honda CX, die einen gedrehten V Motor mit Kardan-Antrieb hat. Eine Abwandlung der Motogutzi Bauweise.
Für den Alltag und auf langen Reisen ist eine Kettenantrieb eine sehr wartungsaufwendige Angelegenheit. Kardan ist hier bequemer und fast wartungsfrei. Allerdings gibt es beim Kardan-Antrieb beim Anfahren einen Aufstellmoment, das gewöhnungsbedürftig ist.
Der quer eingebaute 4 Zylinder Motor erstmals im diesem Volumenbereich bei der Kawasaki Z 900 dann Z1000, macht das Motorrad in der Silhouette sehr breit.
Die Vorgänger waren die dreizilindrigen 2-Taktmotoren mit 750 ccm Hubraum in der obersten Leistungsklasse Anfang der 80 Jahre. Den Rekord setzte dann die Münch mit ihrem 1400 cc Automotor in einem Motorrad eingebaut.
Elegant und schmal sind die V-Motoren wie Ducati oder Harley Davidson es auf den Markt gebracht haben.
Am Anfang wurden einfach immer größere Motoren in Rahmen eingebaut, die im hohen Geschwindigkeitsbereich zu „schwimmen” anfingen. Eine Schwingung um die Längsachse, das zur einer gefährlichen Eigenresonanz und zum Sturz führen kann. Meist ausgelöst durch Schaltvorgänge oder Gaswechsel bei hoher Geschwindigkeit. Am Anfang wurden die Rahmen aus Rohren gebaut, die eigentlich die größte Stabilität aufweisen im konstruktiven Zusammenspiel bei hoch motorisierten Motorrädern, aber nicht die gewünschte Gesamtstabilität aufwiesen. So wurden zuerst Kastenschwingen mit Kegellagern eingebaut, die einen erheblichen Stabilitätsgewinn brachten . Heute werden auch die Rahmen im Frame (Kastenbauweise ) hergestellt und zum Teil der Motorblock als Rahmenelement zur Stabilitätserhöhung konstruktiv mit eingebaut.
Der Vorteil der Motorräder aus dem Stand sehr schnell zu beschleunigen ist dem Nachteil, daß es bei hohen Geschwindigkeiten über 200 Km/ h durch den Winddruck sehr anstrengend werden kann. Vor allem wenn keine Verkleidung vorhanden ist.
Das Motorrad fahren ist auch unter Umwelt Aspekten zu begrüßen, da es einen erheblich geringeren Benzinverbrauch hat.
Motorrad fahren ist allerdings sehr unbequem, da man sich gegen das Sturzrisiko schützen muß, meist durch schwere Ledergarnituren. Diese sind besonders im Sommer, aufgrund der schwarzen Farbe sehr heiß. So kann man im Auto in kurzen Hosen und T-Shirt erheblich kühler fahren als vermeintlich kühl durch den Fahrtwind auf dem Motorrad. Auch bei Regen ist Motorrad fahren äußerst ungemütlich. Da die Sicht sehr schlecht ist und die beste Regenkombi und Schuhe auch irgendwann nicht mehr dem Regen standhalten. Meist ist man dann kalt und durchgefroren. So daß man eine robuste Gesundheit braucht um nicht krank zu werden. Eine Starke gesundheitliche Belastung ist auch durch die Motorvibrationen und Fahrtwind ausgelöste Nierenschäden. Es empfiehlt sich immer einen Nierengurt zu tragen, um eventuellen gesundheitlichen Problemen vorzubeugen.
Autor: Sonja Waller - sonja.waller (et) gmx.de - 23.04.2007