Wer vor dem Absinthverbot dieses wundersame Getränk kaufen wollte, hatte es leicht: Praktisch überall in Europa, und auch in weiten Teilen der restlichen Welt, konnte man Absinth kaufen, oder in speziellen Lokalen genießen, die nur auf dieses Getränk ausgerichtet waren. Dabei unterschied man damals sogar noch insgesamt 5 verschiedene Qualitätsstufen, die sich auch preislich stark orientierten – aber auch in der Art und Weise, wie sie getrunken wurden.
Während die weniger hochwertigen Absinthe damals wie heute vor allem des Rausches wegen getrunken wurde, beim Versuch, die geheimnisvolle grüne Fee zu finden, welche einem erscheinen sollte, wenn man nur genügend Absinth zu sich nahm. Die überwiegende Mehrzahl aller Berichte über schädliche Folgen des Absinthkonsums entspringen übrigens derartigen Versuchen, die bewusstseinsverändernde Wirkung des Thujon, eines Nervengiftes, der als Bestandteil des Wermutes natürlicherweise in kleinen Mengen in den Absinth gelangt, und in der entsprechenden Konzentration eine halluzinogene Wirkung entfaltet, zu erfahren. Natürlich gab es damals noch kein Wissen über den Thujon, konnte jedoch durchaus den Wermut als verantwortliche Pflanze für die einzigartige Wirkung des Absinths isolieren. Und auch schon damals versuchten skrupellose Geschäftsleute, zum Beispiel durch Beimischung von Wermut-Öl, in dem Thujon in einer Gesundheitsgefährdenden Konzentration vorkommt, eine bewusstseinsverändernde Wirkung des Absinth zu erreichen, setzten ihren Destillaten jedoch auch eine ganze Reihe anderer gefährlicher Substanzen zu.
Auch heute kann man wieder Absinthe bestellen, und zusammen mit diesem zum Teil ebenfalls das gefährliche Ätherische Wermut-Öl, welches nach wie vor eine Gefahr für die Gesundheit darstellt, wird es in zu hoher Konzentration konsumiert. Insofern kann man vor Experimenten, die die Beimischung von Wermut-Öl in den Absinth beinhalten, um den Thujongehalt zu erhöhen, nur dringendste abraten.
Autor: Gabi Zinzig - gabi.zinzig (et) web.de - 20.08.2007